Ihr Partner in der Kompressionstherapie für Pferde

Equicrown » Lymphsystem des Pferdes

Lymphsystem des Pferdes

Ein intaktes Lymphsystem ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes, denn es ist essentieller Bestandteil des Immunsystems.

Ohne ein gut funktionierendes Lymphsystem gelingt dem Körper auch die Entsorgung von großmolekularen Partikeln und Schadstoffen nicht oder nur mäßig, was langfristig zu großen Problemen führen kann. Abfallstoffe, wie z. B. Zelltrümmer, Lymphozyten oder Langerhans-Zellen, lagern sich im Interstitium an, statt ausgeschwemmt zu werden. Diese können infolge dazu führen, dass sich der Gesundheitszustand des Tieres deutlich verschlechtert.

Lymphe

Die Lymphe wird in den initialen Lymphgefäßen (Vasa lymphatica initialia) und Präkollektoren (Vasa lymphatica precollectoria) durch Reabsorption des Netto-Ultrafiltrats (Blutwasser und Plasmaproteine) gebildet. Die lymphpflichtige Last, das sind Stoffe wie Hyaluronsäure, Proteine, Harnstoff, Kreatinin, Enzyme und Toxine, wird mit Hilfe der Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert. Über die Vasalymphatica initialia wird sie an die Lymphkollektoren (Vasacollectoria) weitergeleitet. Diese sind über Anastomosen miteinander verbunden, sodass ein ausgedehntes Netz entsteht und ein Lymphstau weitgehend vermieden werden kann. Über Afferenzen gelangt die Lymphe in die Lymphknoten. Hier wird sie filtriert und schließlich, gereinigt von Toxinen und Krankheitserregern, wieder über die Lymphgefäßstämme (Truncilymphatici) in den Blutkreislauf zurückgegeben. Dies geschieht hauptsächlich über den linken Venenwinkel (V. jugularis externa oder V. cava cranialis). Proteine und andere großmolekulare Stoffe können das Interstitium nur über die Lymphgefäße verlassen. Versagt das Lymphsystem, so verbleiben diese Stoffe im Interstitium. Es können sich Lymphödeme oder Fibrosierungen bilden.

Wasserscheiden

Der gesamte Pferdekörper kann auf beiden Seiten in jeweils sieben Territorien (I – VII) eingeteilt werden. (Prof. Dr. Berens von Rautenfeld, Manuelle Lymphdrainage beim Pferd /2005)

Diese entsprechen den Einzugsgebieten der verschiedenen Lymphzentren, welche die jeweilige Region drainieren. Mit genauer Kenntnis der Lymphocentren, Territorien und Wasserscheiden lässt sich der Lymphfluss mittels MLD und Kompression optimal unterstützen. Die Wasserscheiden sind wichtige Grenzen für den Lymphfluss, denn die absolute Wasserscheide (ventromedian von Unterlippe über die Lineaalba bis zur Schweifrübe) kann vom Lymphfluss nicht überschritten werden, da die hypodermalen Kollektoren hier fehlen. In einer relativen Wasserscheide (dorsomedian von Oberlippe über den Rücken zur Schweifrübe und transversal auf Höhe der 11. Rippe) sind einige wenige Lymphgefäße zu finden, die eine gewisse Lymphpassage zulassen.

Störungen und Erkrankungen des Lymphsystems

Ein nicht einwandfrei arbeitendes Lymphsystem führt zu Problemen, die sich unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen und Erkrankungen entwickeln können. Deshalb ist es wichtig, funktionelle Störungen im Lymphsystem zu erkennen und diese frühzeitig zu behandeln. Eine Unterstützung des Lymphsystems kann prophylaktisch zur Gesundheit des Pferdes beitragen und Erkrankungen möglicherweise sogar verhindern.

Angelaufene Beine

Angelaufene Beine sind strenggenommen keine Erkrankung. Die genaue Ätiologie ist jedoch nicht belegt. Moderne Pferdehaltung mit hoher Inaktivität gilt als wahrscheinlich, denn fehlende Muskelaktivität schränkt die Arbeit des Lymphsystems ein. Außerdem wird eine genetische Disposition vermutet, nach der man kollektorreiche und kollektorarme Pferde unterscheiden kann. Kollektorarme Pferde neigen zu angelaufenen Beinen, sodass es sinnvoll ist, die Drainage der Lymphe zu unterstützen. (K. J. Rothe, Grundsätzliches zur Angioarchitektur peripherer Lymphgefäße am Bsp. der Hinterextremität des Pferdes / 2004)

Postoperative oder posttraumatische Schwellungen / Wundheilung

Egal ob es sich um eine operative oder spontane Wunde beim Pferd handelt, Lymph- und Blutgefäße werden dabei immer in Mitleidenschaft gezogen. Ein Ödem ist eine physiologische Reaktion des Körpers auf ein solches Trauma. Eine verbesserte Wundheilung lässt sich erzielen, wenn die Lymphgefäße an der betroffenen Stelle zum Beispiel durch MLD und Kompression unterstützt werden. Durch diese sanfte Art der Entstauung wird der Abtransport von ausgetretenen Gewebetoxinen, Proteinen und Zelltrümmern erleichtert.

Chronische Phlegmone / Elephantiasis

Ätiologisch gehen meist akute rezidivierende Phlegmonen voran. Das Entstehen chronischer Phlegmone oder einer Elephantiasis kann dann durch eine fehlende oder sogar fehlerhafte Behandlung unterstützt werden. Es besteht die Gefahr, dass sich eine bereits bestehende Insuffizienz der Lymphgefäße durch eintretende Keime verschlimmert und das Lymphgefäßsystem weiter geschädigt wird. Wenn durch einen Lymphstau verursachte Ödeme infolge dessen nicht vollständig abheilen, lagern sich vermehrt Proteine, die durch das geschädigte Lymphsystem nicht mehr abtransportiert werden können, in der erkrankten Gliedmaße an. Eine starke, meist unförmige, Umfangsvermehrung ist die Folge. Durch fachgerechte Behandlung mit KPE kann das Krankheitsbild verbessert oder sogar weitgehend reduziert werden. (A. Rötting et al (2000); Prof. Dr. Berens v. Rautenfeld et al. (2000); Dr. Fedele und Prof. Dr. Berens v. Rautenfeld / 2007)

Gallen

Gallen können sowohl angeboren als auch erworben sein und gelten nicht als Krankheit, sondern „nur“ als Symptom. Sie können ein Pferd ein Leben lang begleiten, ohne jemals Probleme zu machen. Es wird vermutet, dass ein kollektorarmer Typ die Ursache für Gallen ist, sodass es zu einer Umfangsvermehrung im Bereich der Gelenke (Synovialitis) und Sehnenscheiden (Tendovaginitis) kommen kann. Aber: eine Galle ist trotzdem ein Ödem, auch wenn es symptomfrei bleibt. Gallen können Vorboten von weiteren Krankheiten (z. B. Phlegmonen) sein, die dem Pferd im Verlauf Probleme bereiten können. Mit manueller Lymphdrainage und Kompression können die Ursachen für Gallen behandelt werden.

(Chronische) Tendinitiden

Orthopädische Probleme wie Tendinitiden treten gerade bei Leistungspferden häufig auf. Werden bei einer Tendinitis Fibrillen zerstört, so kommt es zu unterschiedlich schweren Verletzungen der begleitenden Blut- und Lymphgefäße. Als Reaktion auf die zerstörten Gefäße lagert sich Fibrin im Gewebe an, es kommt zur Ödembildung. Das entstandene Ödem führt wiederum dazu, dass die unverletzten, verbliebenen Fibrillen auseinander gedrängt werden. Durch die Unterstützung des Lymphsystems kann eine Heilung der Tendinitis gefördert und lymphpflichtige Lasten einfacher abtransportiert werden. Infolge dessen schwillt das Ödem schneller ab und die gesunden Fibrillen gelangen wieder an ihre ursprüngliche Position.